Weingut Fuchs · 1626
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Rebblüte – einer der wichtigsten Momente für den Wein

Bei einem Spaziergang im Frühjahr oder Frühsommer durch die Weinberge fallen zuerst die frischen grünen Triebe der austreibenden Reben ins Auge. Die Blüte der Weinrebe ist dagegen optisch so unauffällig, dass sie meist unbemerkt bleibt, obwohl sie eine der wichtigsten Phasen des gesamten Weinjahres ist.

Der Grund: Während der Rebenblüte entscheidet sich bereits ein großer Teil dessen, was später im Herbst gelesen wird: Wie viele Beeren entstehen? Wie locker oder kompakt werden die Trauben? Und wie groß fällt die Ernte überhaupt aus?

Wann blühen Weinreben?

Die Rebblüte beginnt je nach Wetter, Lage und Rebsorte meist zwischen Ende Mai und Juni. Besonders warme Frühjahre wie 2026 sorgen für einen frühen Austrieb und damit auch für eine frühere Blüte. Kühles Wetter kann den gesamten Entwicklungsverlauf dagegen verzögern.

Als Winzer beobachten wir diesen Zeitraum sehr genau, denn der Zeitpunkt der Blüte bestimmt grob den Erntezeitpunkt: Zwischen Blüte und Weinlese liegen normalerweise etwa 100 Tage.

Trockene und warme, aber nicht zu heiße Tage während der Blüte sind für den Blühverlauf ideal. Regen und kühle Temperaturen können die Befruchtung der Blüten und den Fruchtansatz dagegen deutlich beeinträchtigen.

Rebblüte

Rebblüten – klein, aber oho

Wer auffällige oder farbenfrohe Blütenpracht erwartet, wird hier enttäuscht. Rebblüten sind winzig klein, von grünlich-weißer Farbe und insgesamt ausgesprochen unscheinbar. Man muss sehr genau hinsehen, um die kleinen Blütenstände an den jungen Trieben erkennen zu können.

Die einzelnen Blüten besitzen kleine „Blütenkäppchen“, die sich während der Blüte ablösen. Dadurch werden die feinen Fortpflanzungsorgane sichtbar.

Gerade weil die Blüte so unauffällig ist, wird sie oft übersehen – obwohl hier die Grundlage für den späteren Jahrgang entsteht.

Bestäubung

Unsere heutigen Kulturreben sind selbstfruchtbar und besitzen zwittrige Blüten. Das bedeutet: Die Blüte enthält sowohl männliche als auch weibliche Organe und kann sich selbst bestäuben.

Im Gegensatz zu vielen Obstsorten benötigen Weinreben deshalb normalerweise keine weitere Sorte als Bestäuber. Die Bestäubung erfolgt überwiegend durch Wind und Eigenbewegung der Pflanze, Insekten spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Blühverlauf: Von der Blüte zur Weinbeere

Die Blüte selbst dauert nur wenige Tage. Zunächst öffnen sich die kleinen Blütenkäppchen, anschließend erfolgt die Bestäubung, und die Pflanze beginnt, ihre kleinen grünen Beeren auszubilden, die zu Anfang die Größe eines Stecknadelkopfs haben.

In dieser Phase zeigt sich bereits, wie die spätere Traube aussehen wird. Werden viele Blüten erfolgreich befruchtet, entstehen dicht besetzte Trauben. Bleiben einzelne Blüten unbefruchtet, entwickeln sich lockerere Trauben mit weniger Beeren.

Was bedeutet „Verrieselung“?

Nicht aus jeder Rebblüte entwickelt automatisch eine Weinbeere. Besonders bei ungünstigem Wetter während der Blüte kann es passieren, dass einzelne Blüten nicht befruchtet werden. Wir Winzer sprechen dann von „Verrieselung“: Unbestäubte Blüten fallen ab, sie “verrieseln”. Dies kann den Ertrag deutlich reduzieren. Manche Rebsorten reagieren empfindlicher auf solche Wetterbedingungen als andere.

Für uns Winzer ist die Blüte deshalb jedes Jahr eine spannende Phase, denn schon wenige Tage mit günstigem oder ungünstigem Wetter können den späteren Jahrgang positiv oder negativ beeinflussen.

Unterschiede zwischen den Rebsorten

Auch bei der Rebenblüte zeigen verschiedene Rebsorten unterschiedliche Eigenschaften. Relativ früh blühen z.B.

Spätere Blüher sind z.B.

Einige Rebsorten gelten als empfindlicher gegenüber Wetterumschwüngen während der Blütezeit. Dazu gehören z.B.

Die moderne Rebenzüchtung hat viel dazu beigetragen, die Verrieselungsanfälligkeit zu reduzieren.

Blüten unterschiedlicher Rebsorten

Die Blüten der verschiedenen Rebsorten unterscheiden sich optisch kaum voneinander: Es gibt keine sichbaren Variationen in Farbe und Größe; sie alle sind klein und unscheinbar. Erst die reifenden Trauben zeigen später die Unterschiede nicht nur im Geschmack, sondern auch in der Optik und im lockeren oder kompakten Aufbau der Traube.

Während der Blüte lässt sich noch nicht erahnen, welche Weine aus den kleinen grünen Beeren später einmal entstehen werden. Erst Monate später, nach der Ernte und dem Ausbau im Keller, können wir entscheiden, ob daraus ganz trockene Weine oder eher süße Weine werden.