Frost + Weinreben – wie empfindlich ist der Austrieb?

Immer dann, wenn ein sehr mildes Frühjahr die Natur sehr zeitig zum Sprießen bringt, passiert es: Bäume und Sträucher treiben geradezu explosionsartig aus. Überall grünt und blüht es, eine wahre Wonne für das Auge.
In solchen Jahren beginnen auch in Weinbergen in besonders frühen Lagen die ersten Triebspitzen sich zu öffnen – etwa 3–4 Wochen (!) früher, als sie das normalerweise tun.
Das Problem: Junger Austrieb an Weinreben ist hochgradig frostempfindlich – bereits Temperaturen knapp unter 0 °C können den jungen Austrieb der Rebstöcke schädigen.
Früher Austrieb – lange Vegetationsperiode
Einerseits ist der frühe Austrieb wunderbar, denn je früher die Vegetationsperiode der Reben beginnt, desto länger kann sie andauern, und desto größer sind damit die Chancen auf einen Spitzenjahrgang mit besonders hohen Mostgewichten. Andererseits:
Nachtfrostgefahr vor den Eisheiligen
Frühlingshafte Tagestemperaturen bei klarem, sonnigem Wetter bringen naturgemäß ebenso klare und damit kalte Nächte mit sich. Das Thermometer kann dadurch in der Nacht leicht auf Werte “nahe dem Gefrierpunkt” fallen. Solange die Temperatur – wenigstens knapp – über Null bleibt, sind die kalten Nächte für die Reben kein Problem.
Aber: Nicht umsonst heißt es auch bei uns im warmen “Weinbauklima”, dass erst nach den Eisheiligen, nämlich den Namenstagen von
- Pankratius – 12.5.
- Servatius – 13.5.
- Bonifatius – 14.5.
- Sophia – 15.5. “Kalte Sophie”
die Spätfrostgefahr vorbei ist. Erst ab dem 15. Mai ist man auf der sicheren Seite und braucht sich vor Nachtfrost nicht mehr zu fürchten.
Frostschaden – Risiko für Obst und Weinbau

Während der Winterruhe ist das Rebholz der meisten Sorten relativ frostfest; erst bei Temperaturen unter minus 20 Grad erfrieren die Reben.
Dagegen sind die jungen Triebe der Reben – ebenso wie die Blüten von Obstbäumen – überaus frostempfindlich. Einem Nachtfrost können die zarten Blättchen nichts, aber auch gar nichts entgegensetzen; sie erfrieren, werden braun und dann fallen ab.
Nach einem besonders frühen Austrieb erwischen einige kalte Nächte leider immer wieder Teile der Weinbaugebiete. Das eben noch frische junge Grün verschwindet praktisch über Nacht und lässt braune, tote Triebe zurück – ein trauriger Anblick.
Frostschaden und seine Folgen
Die meisten von solchem Frostschaden betroffenen Reben werden, wenn auch mit etwas Zeitversatz, wieder neu austreiben. Auf den ersten Blick scheint es also gar nicht so schlimm zu sein, wenn einmal ein Weinberg vom Spätfrost getroffen wird. Nach wenigen Wochen sieht er wieder gesund und grün aus.
Wer genauer hinschaut, stellt jedoch fest, dass die “zweite Besetzung” des Austriebs zwar genügend Blattwerk produziert, um die Rebe weiterwachsen zu lassen, dass jedoch der Fruchtansatz weitgehend fehlt.
Das bedeutet für den Winzer, dass sämtliche Pflegearbeiten über den Sommer bis in den Herbst hinein vorgenommen werden müssen. Bodenpflege, Laubarbeiten, Pflanzenschutz … alles findet ganz normal statt, nur die Ernte fällt am Ende der Saison aus, weil allenfalls hier und da einmal ein Hängel Trauben zu finden ist. Solch einen Frostschaden-Weinberg kann man mit zwei Eimern abernten.
Hoffen wir das Beste!
Als Winzer hat man großes Glück, wenn ein Spätfrost nur ganz wenige Weinberge trifft. Es bleibt in jedem Jahr mit sehr zeitigem Austrieb nur das Beste zu hoffen, dass kein eisiger nächtlicher Hauch über die grünen Hügel zieht!
Hier finden Sie eine Übersicht mit verschiedenen Themen rund um Weinberge und Weinbau.
