Gelbe Herbsthimbeeren

Gelbe Herbsthimbeeren “Golden Queen”

Gelbe Herbsthimbeeren “Golden Queen”

Gelbe Himbeeren? Herbsthimbeeren? Noch vor wenigen Jahren schien mir allein der Gedanke, gelbe Himbeeren im Garten zu kultivieren, völlig absurd, weil Himbeeren in meiner Vorstellung nun einmal “himbeerfarben” = intensiv dunkelrot-pink sind. Basta!

Aber: dann kam die Kirschessigfliege, über deren Bekämpfung ich hier im Blog schon berichtet habe. 2016 zerstörte dieser Schädling einen großen Teil meiner sommerlichen Himbeerernte, indem die Larven der KEF in den reifen Früchten eine Party nach der anderen feierten und sie ungenießbar wurmig, matschig und essigstichig werden ließen.

Neben den damals begonnenen ersten Versuchen, die Himbeerreihen einzunetzen, was ich inzwischen sehr erfolgreich betreibe, kam der Gedanke auf, ob die Kirschessigfliege nicht-rote Früchte wohl weniger liebt, denn bei Trauben bevorzugen die Tiere hauptsächlich blaue, während die weißen deutlich weniger beliebt zu sein scheinen und entsprechend weniger befallen werden.

Erste Versuche mit gelben Himbeersorten

Ausprobieren ist immer gut … eine liebe Freundin, mit der ich mich darüber ausgetauscht hatte, schenkte mir die erste Pflanze, und so setzte ich zunächst jeweils zwei Pflanzen von drei Sorten gelber Himbeeren:

  • Fall Gold – der Name kommt übrigen vom Englischen “fall” = Herbst und hat mit “fallen” nichts zu tun. 🙂
  • Goldkind
  • Golden Queen.

Die Sortenauswahl ergab sich aus der Verfügbarkeit in den einschlägigen Gartenmärkten; zufällig sind alle drei Sorten Herbsthimbeeren. Dies kam mir als Ergänzung zu den “normalen” roten Sommerhimbeeren sehr gelegen, denn Herbsthimbeeren fruchten von etwa Ende Juli bis in den Herbst hinein, praktisch direkt nach den Sommerhimbeeren.

Aus einer privaten Quelle bekam ich außerdem noch einige Ableger der Sommerhimbeere “Gelbe Antwerpener”, einer alten Liebhabersorte, über die ich bei anderer Gelegenheit berichten werde.

Unterschiede der Sorten

… kann ich kaum feststellen. Die Golden Queen beginnt mit Blüte und Fruchtansatz ein klein wenig früher als die anderen beiden Sorten. Auch im Geschmack ist ein Unterschied allenfalls in feinen Nuancen bemerkbar.

Die Golden Queen erscheint mir persönlich geschmacklich und wuchstechnisch am attraktivsten; möglicherweise kommt sie mit den lokalen Gegebenheiten einfach am besten zurecht.

Auch wenn die gelben Himbeeren für mein Auge immer noch irgendwie fehlfarben aussehen: sie schmecken ganz hervorragend.

Gelbe Herbsthimbeeren kultivieren

Genau wie die roten Sommerhimbeeren wachsen die herbstlichen “Gelbies” an einem Spalier, damit die Ruten nicht umknicken. Ca. 1,50–1,60 m Höhe ist ein gutes Maß.

Der Schnitt ist viel einfacher als bei den Sommerhimbeeren: Nach der Ernte werden die Ruten einfach allesamt über dem Boden abgeschnitten. Die Pflanzen tragen im Folgejahr an den neuen Austrieben.

Meine drei Sorten zeigen sich sehr austriebs- und wuchsfreudig: sie treiben deutlich stärker als ihre sommerlichen Kollegen aus. Um das Wachstum in überschau- und bearbeitbarem Ausmaß zu halten, führe ich am Spalier mittels zweier Querlatten auf gleicher Höhe jeweils parallele Drähte, zwischen denen ich die Triebe einfange. Alles außerhalb davon schneide bzw. steche ich ab. Im späten Frühjahr (2018: 2. Hälfte Mai) lichte ich die Triebe innerhalb des Spaliers auf ca. 15 Triebe je laufendem Meter aus, wobei ich die schwächsten wegnehme und versuche, auf halbwegs gleiche Abstände für die verbleibenden Ruten zu kommen.

Der Standort der gelben Herbsthimbeeren ähnelt dem der Sommerhimbeeren: morgens Schatten, ab Mittag Sonne, dazu ein nährstoffreicher Boden.

Als Starkzehrer dünge ich die Gelbies im Frühjahr mit einem handelsüblichen Volldünger und sorge für ausreichende Wasserversorgung. Bodenabdeckung mit etwas Schredder scheint ihnen auch zu gefallen, zumal die abgedeckte Erde nach dem Gießen oder nach dem Regen beim Abtrocknen nicht rissig wird.

Gelbe Herbsthimbeeren ernten

Die Erntezeit der Herbsthimbeeren zieht sich deutlich länger hin als die der Sommerhimbeeren. Während an den Triebspitzen schon die ersten Früchte reifen, treiben immer noch neue Blütenstände aus. Mit etwas Glück und bei gutem Wetter reifen sie von Juli bis weit in den Oktober.

Leider verschont die Kirschessigfliege die gelben Himbeeren nicht. 2017 waren sie weniger stark befallen als die roten in 2016, die 2017 schon eingenetzt reiften. Durch das Einnetzen unterbindet man – der langandauernden Blüte wegen – leider die Bestäubung der späteren Blüten. Die Frage ist, ob man lieber weniger lang und larvenfrei ernten oder einen gewissen madigen Anteil Früchte tolerieren möchte. Ich tendiere dabei zum Einnetzen – nicht nur, weil ich mich vor den wurmigen Früchten ekle, sondern weil ich der Kirschessigfliege auch keine Möglichkeit zur Vermehrung schaffen will.

Durch die aktuelle Hitzewelle gibt es bisher keinen Befall durch die Kirschessigfliege.

Genuß + Konservierung von gelben Himbeeren

Alles wie bei den roten Früchten: sie schmecken genauso gut auf Kuchen, im Obstsalat, mit Eis oder pur – sie sehen nur anders aus.

Insofern wandert – was nicht gleich während und nach der Ernte frisch gefuttert wird – in die Gefriertruhe, um die in der Apfel-Apfelsinen-Bananenzeit aufkommenden winterlichen Himbeergelüste zu befriedigen.

Ein klassischer, roter Himbeerkuchen bekommt mit ener Handvoll gelber Früchte übrigens ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten! 🙂

 

10 Gedanken zu „Gelbe Herbsthimbeeren

  1. Mila

    Meine Oma hat immer Himbeerkuchen gemacht. Da sind auch gelbe drauf gewesen und ich habe mich immer gefragt wie sie aus roten Himbeeren, die gelb gemacht hat. Nicht das das eine eigene Sorte ist. Informativer Beitrag.

  2. Dorothee

    Danke für den Beitrag. Kann man aus Himbeeren eigentlich auch Wein machen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich bilde mir ein, dass ich in einer Weinhandlung mal so etwas gesehen habe. Ich hatte in dem Moment aber andere Dinge zu tun, da habe ich nicht so drauf geachtet.

  3. Sascha Hönisc

    Bin seit kurzem auch am gärtnern und habe letztes Jahr einen Herbst Himbeer Setzling gepflanzt.Er ist gut gewachsen(ca 50cm hoch) und langsam kommen auch die ersten Früchte, allerdings hängen die Blätter bisschen schlaff und rollen sich leicht nach unten. Ist nicht gravierend aber im vergleich zu der Johannisbeere und Brombeere sieht sie schon „schwach“ aus. Woran kann es liegen? Haben sie oder sonst jemand da ein Tipp für mich?

    1. Hildegard Fuchs Beitragsautor

      Kann sein, daß die Pflanzen einfach noch ein Jahr brauchen, um richtig loszulegen. Das heiße Sommerwetter war für junge Himbeerpflanzen nicht ideal, selbst bei guter Wasserversorgung.

  4. Kai

    Haha, immer die Menschen motivieren sich selber zu helfen und nicht direkt die Antworten verlangen! Danke für den informativen Beitrag. Bin durch Google hier gelandet!

  5. Sarah

    Vielen Dank für diesen interessanten Blog-Beitrag.
    Ich hatte zuvor noch nie gelbe Himbeeren gesehen und mich auch gewundert, ob die denn gleich schmecken. Bei den Trauben mag ich ja sowieso eher die hellen, deshalb finde ich es schade, wenn die hellen Himbeeren gleich schmecken soll. Ein etwas anderer Geschmack hätte mich sicher noch neugieriger gemacht, diese zu probieren. Zumal mir die gewöhnlichen, roten Himbeeren etwas zu sauer sind.
    Als besagte Kuchendekoration kann ich mir das aber wunderbar vorstellen, da sich so viele neue Möglichkeiten ergeben.

    1. Hildegard Fuchs Beitragsautor

      Vielleicht hängt es am Boden oder Standort, dass sich keine besonders unterschiedliche Aromatik ausbildet.
      Wenn rote Himbeeren zu sauer schmecken, sind sie in der Regel zu früh geerntet. Sie müssen quasi von alleine in die Hand springen, erst dann sind sie wirklich reif. Das gilt allerdings für die gelben genauso.

  6. Zalto Gläser

    Vielen Dank für einen tollen Artikel! 🙂

    Wir glauben, dass wenn Sie die besten Weine der Welt genießen möchten, brauchen Sie ein angemessenes Weinglas, damit sich alle Geschmacksnoten, Aromen und Geschmacksvariationen so gut wie möglich entfalten können. Wir haben eine klare Mission: Wir möchten den besten Weingeschmack voll zur Geltung bringen.

    1. Hildegard Fuchs Beitragsautor

      Das ist leider der Klassiker für Spam, um einen Link zu kassieren – mit den Himbeeren hat das Thema Weingläser nun einmal ganz und gar nichts zu tun.
      Daher: URL des Absenders gelöscht; der Kommentar verdient nicht einmal einen no-follow-Link.