Hitzeschutz für Dachflächenfenster

Hitzeschutz auf Dachflächenfenster von außen

Hitzeschutz auf Dachflächenfenster von außen

An einem heißen Tag wie heute – draußen zeigt das Thermometer satte 37 Grad! – ist an Dachflächenfenstern Hitzeschutz notwendig, will man drinnen nicht gebraten werden.

Rollo oder Vorhang von innen: ungenügender Hitzeschutz

In meinen Kinderzeiten half sich meine Oma an solch heißen Tagen mit alten Bettbezügen und Laken, aus denen sie in Ermangelung passender Rollos quasi Kurzzeitvorhänge für die Fenster konstruierte. In den Fensterrahmen installierte sie rundum kleine Häkchen, in denen die großen Tücher – säuberlich auf Fenstermaß zugeschnitten und gesäumt – mittels angenähter Ösen einfach eingehängt wurden. Natürlich ist solch ein Sonnenschutz von innen nicht so effektiv wie ein Rolladen, aber er nimmt zumindest die Hitze-Spitze weg.

Bei hohen Temperaturen wie heute reicht der Schutz von innen jedoch nicht. Die Innenrollos können dem aufheizenden Glashauseffekt nicht genügend trotzen, und die Scheiben heizen sich mitsamt den Rollos gnadenlos auf und geben die Wärme nach innen ab.

Hitzeschutz von außen

Glücklich, wer außen einen Rolladen oder Jalousien hat, denn sie verhindern das Aufheizen der Scheiben und halten die Hitze viel besser draußen. Da unsere Dachflächenfenster ein älteres Sondermaß sind, haben wir für sie zwar Innenrollos, die Nachrüstung eines professionellen Sonnenschutzes von außen ist jedoch leider nicht möglich – es gibt einfach nichts Passendes.

Hitzeschutz mit Stoff: Leinen, Baumwolle, Nessel – Hauptsache weiß

Über Jahre habe ich – Omas Idee folgend – bei hohen Temperaturen die Fenster von außen mit großen, weißen Tüchern verkleidet, was mit relativ hohem Aufwand und diversen Turn- und Kletterübungen an jedem Fenster verbunden ist. Das verwendete Material ist relativ egal, nur weiß sollte es sein, denn diese Farbe reflektiert die Sonnenstrahlen am besten

Oben lassen sich die Stoffbahnen mit angenähtem Klettband sehr gut um den Fenstergriff herum befestigen, unten stellt sich die Fixierung schwieriger dar. Über Eck befestigte Gummis à la Spannbettuch oder Bindebänder leiern leider blitzschnell aus. Steckarbeit mit Sicherheitsnadeln oder Stecknadeln ist nicht haltbar genug. Klemmt man den Stoff im geschlossenen Fenster ein, flattert er beim leisesten Windstoß nach oben weg, sobald man das Fenster öffnet.

Bei einem plötzlichen Gewitter bietet die Stofflösung zudem ganz besonderen “Spaß”: die nassen Tücher einzusammeln, ist nicht besonders angenehm.

Hitzeschutz mit Sonnenschutzfolie

Im letzten Jahr fand ich einen Artikel über Sonnenschutzfolien, die auf den Scheiben aufgezogen werden. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen – je dunkler, je stärker der Sonnen- und Hitzeschutz.

Im Prinzip eine interessante Idee, wäre die Installation nicht erstens teuer und zweitens vor allem dauerhaft. Während ich in einer Hitzeperiode froh bin um jeden Sonnenstrahl bin, den ich erfolgreich aussperren kann, möchte ich an allen anderen Tagen jedoch auf die Helligkeit, die die Dachflächenfenster bescheren, nicht verzichten.

Hitzeschutz mit Rettungsfolie

Fenster mit aufgelegter Hitzeschutzplatte von innen

Fenster mit aufgelegter Hitzeschutzplatte von innen

Spannend fand ich eine Idee in einem Forum (?), wo jemand berichtete, wie er seine Dachflächenfenster mit Rettungsfolie überzogen hatte. Mit Rettungsfolie sind die dünnen, gold-silber-farbenen Rettungsdecken gemeint, die sich in Verbandkästen finden. Man bekommt sie im Baumarkt, beim Autozubehör oder in der Apotheke für 1–2 Euro.

Da das Gewurschtel mit den Tüchern vor einer angedrohten Hitzewelle ohnehin anstand, probierte ich in meinem Arbeitszimmer die Folie aus. Sie ließ sich gut aufziehen; statt der für Stoff notwendigen Befestigung mit Klettbändern, Gummis etc. klebte ich sie auf den Fensterrahmen kurzerhand fest, was die Installation sehr vereinfachte.

Der Effekt war enorm; unter dem so beschatteten Fenster entwickelte sich viel weniger Hitze als unter denen mit Stoffverkleidung. Überdies hat die Folie eine gewisse Transparenz, die mehr Durchblick nach draußen als Stoff erlaubt.

Leider hielt der Erfolg nicht lange an, da die Folie sehr leicht einreißt, zumal unsere Dachflächenfenster scharfe Ecken und Kanten haben. Ist einmal ein Stückchen eingerissen, reicht quasi ein Windhauch aus, um das Material weiter ein- und letztlich zu zerreißen und die Folie in Fetzen vom Fenster zu fegen.

Rettungsfolie auf Polycarbonatplatte

Der gute Hitzeschutzeffekt der Rettungsfolie ließ mir keine Ruhe; ich dachte über einen Weg nach, wie man sie leichter installieren und bei Bedarf auch wieder entfernen könnte. Inzwischen habe ich eine Lösung, die mit etwas Bastelarbeit verbunden ist:

Man nehme …

  • Für jedes Fenster eine Polycarbonatplatte in der Größe der Glasfläche mit Bohrungen am oberen Rand. Meine Platten sind 1,5 mm dick und flexibel.
    Die Platte darf keinesfalls größer als die Glasfläche außen sein, damit sie glatt aufliegt.
    Alternativ ist vermutlich auch Acryl oder Plexiglas möglich.
  • Die Platten einem Stück Rettungsfolie – Silberseite nach außen – glatt überziehen und die um die Kanten geklappte Folie auf der Rückseite mit Klebeband befestigen.
  • Die Bohrungen auf der Folie mit Gewebeband verstärken, damit Löcher für die Befestigungsschnüre nicht einreißen.
  • Schnüre zur Befestigung durch die Bohrungen ziehen.

Die Platten lege ich bei Bedarf außen auf das waagrecht gestellte Fenster auf und befestige sie mit den Schnüren am oberen Fenstergriff. Sie sind leicht genug, daß ich sie alleine auflegen und herunternehmen kann. Bei Regen und/oder Wind liegen die Platten wie ein Brett; bisher hat selbst bei starkem Wind keine einzige auch nur gewackelt.

Haltbarkeit

Die Platten selbst sind UV-stabil, der Folienüberzug hält umso besser, je weniger die Platten bewegt werden.

Im Schlafzimmer und Arbeitszimmer habe ich sie über Sommer durchgehend aufliegen, auf den übrigen Fenstern nehme ich sie nach Ende einer Hitzewelle wieder weg. Die Folie läßt sich mit einem Schwammtuch gut säubern bis zum nächsten Gebrauch.

Sonderfall ist das Küchenfenster, wo ich die Platte allabendlich herunternehme und morgens wieder auflege. Hier sieht man, daß die Folie stärker strapaziert wird, dennoch ist auch diese Platte schon im zweiten Jahr in Gebrauch.

 

7 Gedanken zu „Hitzeschutz für Dachflächenfenster

  1. Ingo

    Hallo Frau Fuchs,

    die klassische Tischdecke, außen vor dem Fenster, ist sehr effektiv und der Unterschied zur Folie beträgt nur 1 C°.

    Trotzdem finde ich die Idee mit der Folie auch für senkrechte Fenster echt praktisch.
    Fixiert man die Folie mit Klebestreifen außen auf den Fensterrahmen, kann man die Fenster bei Bedarf jederzeit problemlos öffnen und schließen.

    Viele Grüße

    Ingo

    1. Hildegard Fuchs Beitragsautor

      Die Tischdecke funktioniert super, das ist richtig. Nur die Befestigung ist vor Dachflächenfenstern eben ein echtes Problem, sonst hätte ich nie mit den Platten angefangen.

  2. Ingo

    Hallo Frau Fuchs,

    die Folie außen auf den Fensterrahmen, dort so anzukleben dass der Klebestreifen nicht zu sehen, also auch später nicht mühevoll entfernt werden muss, bot 2 Vorteile.
    Die Folie ist ca. 2 cm vom Fensterglas entfernt und hat erstaunlicherweise sogar die heftigen Windböen überstanden.
    Alles in allem also doch viel besser als eine Tischdecke.

    Viele Grüße

    Ingo

    1. Hildegard Fuchs Beitragsautor

      Hallo Ingo,
      freut mich sehr, daß mein Folientip Ihnen weitergeholfen hat.
      Wahrscheinlich hatte ich bei meinem Erstversuch nicht sorgfältig genug geklebt. Ich wollte damals ja nur ausprobieren, ob die Folie überhaupt zu dem Zweck taugt. Allerdings ist mir das Aufkleben zu mühsam; dieses Vorgehen eignet sich m.E. nur auf Fenstern, auf denen man den Schutz dauerhaft aufbringen will.
      Viele Grüße
      Hildegard Fuchs

  3. Hannes

    Danke für diesen Beitrag und für deine sehr hilfreichen Tipps. Ich habe mein Dachflächenfenster mit Rettungsfolie überzogen und es hat sehr gegen die Hitze geholfen. Der Tipp ist nur zu empfehlen.

    1. Hildegard Fuchs Beitragsautor

      Freut mich. Das Einzige, was mich daran stört, ist, dass die Folie leider relativ schnell einreißt und dann durch die Gegend flattert.

  4. Wiemer

    Hallo Frau Fuchs,
    danke für Ihren informativen Beitrag. Meine Frau und ich konnten Einiges mitnehmen für das Kinderzimmer im Dachgeschoss. Insbesondere die Tipps von Ihrer Oma haben uns sehr gefallen und werden uns an besonders heißen weiterhelfen.

    MfG
    Wiemer