Barf Hundefutter

Rohe BARF-Mahlzeit

Gesunde Hundeernährung ist unter Hundefreunden ein vieldiskutiertes Thema. Während Hunde in früheren Zeiten mit Essensresten gefüttert wurden, ist dies heute schon fast ein „no go“; schließlich will und soll auch des Menschen bester Freund lange und gesund leben.

Nur so am Rande: ich finde es ganz erstaunlich, wieviele Menschen sich um die gute und gesunde Ernährung ihres Hundes intensiv Gedanken machen, ihre Kinder aber ungehemmt Fastfood futtern lassen …

Die Qual der Wahl beim Hundefutter

Hunde-Fertigfutter – egal ob trocken oder naß – findet sich in jeder Preislage, Form und Farbe in den Regalen des Handels. Tierärzte vertreiben (meist teures) Spezialfutter; die Auswahl ist riesig und ziemlich unübersichtlich.

Futterwechsel wegen Allergie

Schon bei einem der Vorgänger unserer jetzigen Hunde gab es ein Allergieproblem: Ridgeback Leo vertrug im etwas fortgeschritteneren Alter verschiedene Fleischsorten nicht mehr. Wie uns der Tierarzt versicherte, ist eine Unverträglichkeit bestimmter tierischer Eiweiße bei Hunden gar nicht so selten. Leo reagierte mit Hautrötungen am Bauch, die bis zum Wundsein führten.

Via Ausschlußdiät fanden wir heraus, was er nicht vertrug und vermieden dieses Futter.

Als Felix und ein Jahr später Toni zu uns kamen, bestand unsere Standardfütterung aus hochwertigem Trockenfutter, ergänzt durch gelegentliche Gaben von Rohem wie z.B. Pansen, Leber oder Kalbsknochen.

Schon wieder Hundefutter-Unverträglichkeit

Felix war gerade zwei Jahre, Toni ein Jahr alt, als beide praktisch zeitgleich begannen, eine Unverträglichkeit zu zeigen: Felix kratzte sich unaufhörlich, ohne daß man an der Haut etwas hätte sehen können. Toni bekam – genau wie sein Vorgänger Leo – massive Rötungen am Bauch, an der Innenseite der Hinterbeine und in den Ellenbogenbeugen.

Sicherheitshalber ließen wir den Tierarzt nachsehen, aber es war nichts Äußerliches wie Milben etc. festzustellen. Der Doc empfahl, gezielt alles bisherige Futter aus dem Verkehr zu ziehen und mittels  Ausschlußdiät festzustellen zu versuchen, was wohl die Reaktionen auslöst. Ganz oben auf der Verdächtigenliste:

  • alle Fleischsorten
  • Getreide
  • Zusatzstoffe im Fertigfutter

Ausschlußdiät in der Praxis

Der Gedanke, für die Hunde nun täglich kochen zu müssen, schreckte mich nicht weiter. Für die Menschen koche ich ohnehin, da kommt es auf einen Topf mehr auch nicht mehr an. Die Frage, mit welchen Zutaten anzufangen, war viel schwieriger zu beantworten.

Da keineswegs klar war, ob beide Hunde auf das gleiche oder auf unterschiedliche Zutaten reagierten, mußte ich die Auswahl so eng wie möglich halten und jedes neu zugefügte Produkt lange genug alleine testen, damit sich eine Reaktion entfalten konnte.

Einige Recherchen brachten mich zu der Erkenntnis, daß Fleisch alleine nicht die Lösung ist. Die Hunde fressen Fleisch pur natürlich sehr gerne, aber ein bißchen Grünzeug gehört schon auch dazu. Schließlich frißt ein Wolf jedes Beutetier mitsamt der meist aus Grünfutter bestehenden “Füllung”.

In der ersten Ausschlußdiätswoche beschloß ich daher, zunächst mit Futter anzufangen, das 1. leicht einzukaufen und 2. einfach zuzubereiten ist. Außerdem wollte ich möglichst mit Zutaten arbeiten, die im handelsüblichen Hundefutter nicht verwendet werden, um einen deutlichen Wechsel in der Ernährung zu erreichen.

1. Woche: gekochtes Hundefutter mit Schweinefleisch

Die Futtermischung bestand in der ersten Woche aus

  • Schweinehackfleisch (wichtig: Schweinefleisch muß für Hunde (und auch für Katzen) des Aujeszky-Virus wegen immer gekocht werden, da diese Erreger zwar für Menschen ungefährlich, für Hunde aber tödlich sind.)
  • Kartoffeln
  • Karotten

Diese Zutaten packte ich mit etwas Wasser in den Dampfkochtopf, in dem das Futter blitzschnell gar war.

Nach einer Woche dieses zugegebenermaßen etwas eintönigen, aber den Hunden sehr gut schmeckenden Futters war bereits der erste Erfolg bei Toni sichtbar: der Bauch wurde sichtlich blasser, und die Rötung ging zurück. Felix kratzte sich immer noch, aber zumindest nicht mehr pausenlos.

2. Woche: gekochtes + rohes Hundefutter mit Rindfleisch

Nach dem schnellen Erfolg beschloß ich, die Zutatenliste ein wenig zu erweitern; statt des Schweinehackfleischs kam nun Rindfleisch in den Topf. Da Rindfleisch im Gegensatz zu Schwein bedenkenlos roh verfüttert werden kann, ist dafür auch keine besondere Zubereitung notwendig.

Im Schlachthof kann man sehr günstig Rinderkopffleisch kaufen. Die Hunde bekamen es roh oder in der bewährten Kartoffel-Karotten-Mischung mitgekocht. Ein gelegentliches Stück Pansen bot weitere Abwechslung.

Gegen Ende der “Rindfleischwoche” war Tonis Bauch gänzlich abgeheilt, und Felix kratzte sich deutlich weniger. Im Nachhinein denke ich, daß es ihn damals schon gar nicht mehr juckte, sondern daß er sich die Kratzerei einfach wieder abgewöhnen mußte.

3. Woche: Kombination aus Woche 1 + 2

Rinderkopffleisch mit Kartoffeln und Zucchini

Rinderkopffleisch mit Kartoffeln und Zucchini

Um sicherzugehen, daß der Erfolg von Dauer war, kombinierten wir in der dritten Woche  Schwein und Rind, erweiterten aber die Gemüseauswahl und ergänzten das Menu um Milchprodukte.

Eintopf mit Schweineleber und Schweinebacke stehen übrigens auch heute noch bei den Hunden hoch im Kurs.

Statt Karotten kamen nun auch Spinat, Zucchini, rote Bete oder eine Handvoll Petersilie zum Einsatz. Alles Gemüse wurde – mit Schweineleber oder Schweinebacke gekocht – gierig mitgefressen.

Quark fand Felix dagegen nicht so attraktiv, während Toni ihn leidenschaftlich liebt. Er leckt auch mit großem Vergnügen Joghurtbecher aus.

4. Woche: Geflügel

Die ersten Versuche mit Geflügel fanden wieder teils roh, teils gekocht statt. Hühnerklein gibt es gefroren sehr preiswert im Supermarkt, und mit etwas Glück bekommt man Hähnchen- und Putenfleisch, dessen Frischedatum gerade abgelaufen ist, sehr günstig.

Die Hunde zeigten auch auf das Geflügel keine allergischen Reaktionen, sondern schwelgten ohne Reue in Hühnerklein, Hähnchenherzen etc.

5. Woche: Getreide

Nachdem die Hunde die Fleisch- und Gemüsemenus so hervorragend vertrugen, kam nun der zweite “Verdächtige” an die Reihe, das Getreide.

Betrachtet man die natürliche Nahrung eines Wolfes, ist es eigentlich klar, daß Getreide keinen Schwerpunkt in der Hundeernährung bilden sollte. Daß es trotzdem und in hohen Anteilen im Hundefutter verarbeitet wird, hängt wohl einzig und allein an seinem relativ niedrigen Preis.

Zarte Haferflocken waren meine erste Versuchsauswahl, denn sie lassen sich gut unter Fleisch und Gemüse untermischen. Die Hunde fraßen die Haferflocken ohne Zögern und sichtlich gerne mit. Aber: bereits nach wenigen Tagen waren erste Reaktionen bei beiden zu sehen: Tonis Bauch bekam rote Stellen, und Felix kratzte sich wieder häufiger.

Hier hatten wir also den Übeltäter, und seitdem machen wir um Getreide einen sehr großen Bogen.

Fütterung im Dauerbetrieb: Barf

Barf steht als Abkürzung für Biologisch Artgerechte RohFütterung (es gibt noch einige andere Bezeichnungen dafür).

Diese Fütterungsmethode setzt grundsätzlich auf rohes Fleisch, Knochen und fleischige Knochen, aber auch auf Fisch, Gemüse, Obst und Milchprodukte. Es gibt im Web eine Vielzahl von Anleitungen, Futtertabellen und Angeboten für fertige Barf-Futterpakete.

Barf-Fütterung in der Praxis

Wer es ganz genau nimmt mit dem Barfen, wird möglicherweise gekochte Kartoffeln ablehnen. Andererseits gehören Milchprodukte wie Joghurt oder Quark auch nicht ins Beuteschema eines Wolfes.

Ich handhabe das Barfen eher praxisorientiert: einerseits sollen die Hunde gut und sättigend gefüttert werden, andererseits darf die Fütterung weder in gar zu viel extra-Arbeit ausarten noch finanziell jeglichen Rahmen sprengen.

Meine besten Futterquellen sind

  • Futtermittelversender für Frostfleisch (vergleichen lohnt sich)
  • Lebenmittelhandel oder -großhandel
  • Schlachthof

Bei einem Versandhändler für Frostfutter bestelle ich regelmäßig die Grundvorräte an Hundefutter. Der Händler liefert alles in 500 g bzw 1000 g-Packungen portioniert und gefroren, wobei man immer volle 28-kg-Pakete kaufen sollte, damit die Ware gefroren ankommt. Dort beziehen wir

  • gewolftes Geflügel
  • Pansen
  • Mischfleisch
  • Rinderleber
  • Lamm-Mix
  • Putenhälse
  • Entenhälse

Das Angebot wechselt immer wieder; man bekommt nicht immer alles, aber dafür gibt es auch immer wieder sehr günstige Angebote.

Im Lebensmittelhandel oder im Schlachthof beziehe ich nach Vorbestellung

  • Kalbsknochen
  • Rinderkopffleisch
  • Rinder- oder Kalbsherz
  • Pansen
  • Schweineleber
  • Schweinebacke

je nachdem, wohin ich gerade zum Einkaufen kommen.

Unter das “geschredderte” Hundefutter mische ich nach dem Auftauen etwas Gemüse: eine Handvoll kleingehackte Petersilie, geriebene Karotte, Zucchini, gehackte Salatblätter, Spinat, rote Bete, Pellkartoffeln … außer Zwiebeln und Kohl verwende ich praktisch alles.

Ab und zu riskiere ich – allerdings nur in großen Abständen, auch einmal eine Handvoll Reis, den die Hunde bisher gut vertragen haben.

Ergänzendes Trockenfutter

In einem Welpenkurs hatte man uns vor Jahren deswegen zwar praktisch in der Luft zerrissen, aber wir sind keine Freunde davon, Hunde ständig ein wenig hungrig zu halten, wie viele “Hundesportler” das gerne tun.

Daher sind unsere Hunde es von klein auf gewöhnt, sich sattfressen zu dürfen. Immer. An zwei Stellen im Haus steht ein Futtereimer mit Trockenfutter, der immer und sofort aufgefüllt wird, wenn er leer ist. Die Hunde können daher ad libitum fressen.

Trotzdem sind beide schlank und gut gebaut, denn sie haben beide schon als Welpen gelernt, daß man nicht auf-Teufel-komm-raus alles fressen muß, dessen man habhaft werden kann, um endlich einmal satt zu werden.

Beim Barfen ist diese Gewohnheit schwierig beizubehalten, denn einerseits ist das rohe Futter zu geruchsintensiv, um es stehen zu lassen. Andererseits ist es für die Hunde so attraktiv, daß – egal welche Menge man füttert – trotzdem nichts übrig bleibt.

Aus diesem Grund halte ich die Barffütterung tatsächlich etwas knapp. Ein hochwertiges und getreidefreies Trockenfutter, das beide gut vertragen, steht aber außerdem immer parat, damit niemand Hunger leiden muß. Wir Menschen gehen schließlich auch gelegentlich einmal zwischendrin an den Kühlschrank oder naschen einmal außer der Reihe. 🙂

 

4 Gedanken zu „Barf Hundefutter

  1. Tom

    Nicht nur ihre Kinder lassen sie ungesundes Essen. Auch selbst kaufen sich die meistne nicht das beste, aber beim Tier darf man nicht sparen.
    Ich selbst habe ein sehr hochwertiges Trockenfutter das Kaltgepresst wurde und bei dem auch harklein drinn steht, was drinn ist.

    1. Hildegard Fuchs Beitragsautor

      Hallo Tom,
      das Problem ist zu definieren, was denn genau wirklich “hochwertig” ist. Ich hatte ja geschrieben, daß wir ergänzend auch ein Trockenfutter bereitstellen. Kaltgepreßt ist auf jeden Fall prima; über die restliche Zusammensetzung kann man sicher streiten.
      Auf Frisches würde ich für unsere Hunde keinesfalls mehr verzichten wollen – für die Menschen übrigens auch nicht, aber das kann man bei meinen Gartenaktivitäten ja zur Genüge nachlesen. 🙂

  2. Monty der Jack Russell

    Wir sind auch große Barf-Fans uns zwar seit dem Welpenalter an. Finde es immer wieder schade, dass Hundehalter sich nicht an die Materie trauen bzw. alteingesessene und leider schwachsinnige Vorurteile haben. Barfen ist schließlich die beste Möglichkeit zu wissen, was tatsächlich in den Futternapf kommt. Außerdem ist es frisch, abwechslungsreich und gut zu verarbeiten für den Hundeorganismus. Für uns gibt es keine bessere Alternative.

    1. Hildegard Fuchs Beitragsautor

      Sehe ich auch so. Es ist wohl (leider) oft die Bequemlichkeit, die viele zum Fertigfutter greifen läßt. Dose auf oder sogar nur Trockenfutter in den Topf füllen ist schon angenehmer, als Obst und Gemüse zu raspeln und mit rohem Fleisch zu hantieren und anschließend Töpfe und Werkzeug zu spülen …

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